Andreas Gursky – Fotograf des Massenzeitalters

Immer wieder ist zu beobachten, wie sich die Besucher einer Ausstellung mit Werken von Andreas Gursky den großformatigen Fotoarbeiten bis auf den letzten Zentimeter nähern, dann wieder einige Schritte zurückzutreten und anschließend wiederum wie vom Bild in den Bann gezogen und, nach Details suchend, in die direkte Nähe des Bildes treten. Der Grund dieses besonderen Sehverhaltens, welches der Künstler in seinen Betrachtern hervorruft, liefert die besondere Bildsprache seiner monumentalen Fotografien, die inzwischen zum Markenzeichen des weltweit berühmten Fotokünstlers geworden ist.

Überblick und Detail 
Andreas Gursky zeigt in seinen überbordenden Bildkompositionen einen scheinbar unendlichen Überblick über eine Szenerie, in der sich gleichzeitig jedoch die kleinsten Details aneinanderreihen und in einer beinahe übernatürlich wirkenden Bildschärfe zu erkennen sind. Um diesen Effekt zu erzeugen, nimmt der Künstler stets die Position der Vogelperspektive ein und fotografiert von Hausdächern, Kränen oder Helikoptern aus seine Motive. Abgesehen davon verstärkt er die Bildwirkung durch die Mittel der digitalen Bildmontage, indem er einzelne Aufnahmen aneinanderreiht und zu einem großen Ganzen vereint. Und ähnlich wie die Plakate und Banner der Werbeindustrie nehmen seine bis zu sieben Quadratmeter großen, fertigen Abzüge überdimensionale Formate an.

Die Szenerien seiner Fotografien enthalten stets die Aspekte des Massenhaften und der Globalisierung wie beispielsweise Aufnahmen eines Madonna-Konzertes, der Love-Parade, der propagandistischen Masseninszenierungen Nordkoreas oder das hektische Treiben der Börsianer an der Wall Street. Mit scheinbar traumwandlerischer Sicherheit findet Gursky seine Motive und hinterfragt dabei auf intelligente Art und Weise die Konsequenzen des heutigen Massenzeitalters. Der Mensch als Individuum selbst scheint in den Bildern Gurskys nicht mehr zu existieren und wird vielmehr zum winzigen Detail einer übergeordneten Großstruktur.

Rekordpreise auf Auktionen
Seine Kunstwerke selbst aber werden nicht zum Massenprodukt. Höchstens zehn Arbeiten pro Jahr speisen in einer streng limitierten Auflage jährlich den Kunstmarkt und werden so zu begehrten Raritäten. Die erzielten Preise schnellen dagegen umso schneller in die Höhe. Das Werk mit dem Titel Rhein II wechselte auf einer Kunstauktion im November 2011 für umgerechnet über drei Millionen Euro und wurde somit zur teuersten Fotografie der Kunstgeschichte.

Gursky wurde 1955 als Sohn eines Werbefotografen in Leipzig geboren. Nach einem Studium der Visuellen Kommunikation wurde er als Student von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf unterrichtet wo er inzwischen seit 2010 selbst einen Lehrauftrag innehält.

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