Die Frauen in der Kunst von Picasso, Beckmann und De Kooning

Noch bis zum 15. Juli 2012 ist in der Pinakothek der Moderne eine ungewöhnliche Ausstellung dreier großer Künstler des 20. Jahrhunderts zu bewundern. Die verantwortliche Kuratorin und stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Carla Schulz-Hoffmann verabschiedet sich mit dieser letzten großen Schau aus ihrer beruflichen Funktion in der Museenlandschaft. Unter dem Ausstellungstitel “Frauen” sind in diesem internationalen Projekt über 90 Gemälde aus renommierten Museen und Privatsammlungen aller Welt in den Räumen der Pinakothek der Moderne in München vereint. Ein Großteil der Werke von Max Beckmann stammen allerdings aus der hauseigenen Sammlung, die neben der Sammlung des Saint Louis Art Museum in den USA weltweit die umfangreichste Gemäldesammlung des Künstlers umfasst.

Frauen – damals und heute
Bei der Konzeption der Ausstellung ging es Hoffmann weniger um die Betonung der drei Künstler als Vorreiter einer emanzipatorischen Bewegung, als vielmehr um die Übertragung ihrer Themen in unsere heutige Zeit. Fragegestellungen nach dem heutigen Frauenbild, nach der Aktualität, die diese Gemälde bis heute für unsere Gesellschaft haben und nach Themen, die uns möglicherweise bis heute provozieren, interessieren die Kuratorin. Sie möchte dabei den Fokus nur auf die Werke jener großen Künstler lenken, die so oft als Machos oder Frauenhasser fehl-interpretiert wurden.

Aus den Gemälden, auf denen Picasso, Beckmann und de Kooning die Frauen in ihrer großen Kraft und Selbstständigkeit darstellten, könnten die Besucher und Besucherinnen der Ausstellung selbst Vertrauen in ihre eigene Kraft und Stärke ziehen – das wünscht sich zumindest Carla Schulz-Hoffmann.

Die Beschützerin bei Max Beckmann
Das Thema der Frau findet in den Werken aller drei Künstler in individueller Art und Weise Niederschlag. In den Frauenbildern Max Beckmanns beschreibt der Künstler die Frau als eine Art Beschützerin. Immer wieder portraitiert er dabei seine zwei Lebenspartnerinnen. Die Portraits seiner ersten Frau Minna Beckmann scheinen eine große Ruhe und Klarheit auszustrahlen. Minna übernimmt in diesen Gemälden die Funktion einer Wächterin mit hoher Präsenz und charismatischer Ausstrahlung. Zurückhaltender dagegen tritt seine zweite Frau Mathilde Kaulbach auf seinen Gemälden in Erscheinung. Sie scheint dem Künstler mehr aus dem Hintergrund zu beschützen als ihm auf Augenhöhe zu begegnen.

Die Sinnliche und die Abgründige bei Pablo Picasso
Besonders bei Picasso stellt sich schnell heraus, dass ein Großteil seines Lebenswerkes aus Frauenbildern besteht. Es scheint beinahe so, als hätte er alle seine künstlerischen Themen und die Themen seiner Zeit durch die Portraits seiner zahlreichen Frauen und Lebenspartnerinnen zum Ausdruck gebracht, wobei er jeder einzelnen Frau eine bestimmte Rolle zusprach. Die blonde Marie-Therese verkörpert beispielsweise eine kühle, schöne und in sich ruhende Sinnlichkeit. Dora Maar dagegen scheint das Entsetzen und die Abgründe der Welt zu spiegeln. Sie ist die verführerische Femme Fatale und gleichzeitig die Bedrohliche und Zerstörerische.

Die Ausdrucksstarke bei Willem de Kooning
Die expressiven Frauen-Portraits de Koonings empörten schon zu seinen Lebenszeiten die Gemüter des Kunstpublikums. In den vom Publikum als schrecklich hässlich empfundenen Portraits ging es de Kooning allerdings vielmehr darum, möglichst viele Emotionen in die Malerei zu transportieren, als, wie sooft angenommen, einem persönlich negativ besetzten Frauenbild Ausdruck zu verleihen.

Nichtsdestotrotz prägten sowohl Picasso, Beckmann als auch de Kooning ein starkes und emanzipiertes Frauenbild. Dass uns diese Bilder selbst in unserer heutigen Zeit noch provozieren und zum Nachdenken anregen können spricht für die Qualität ihrer Werke aber auch für die Qualität dieser besonderen Ausstellung.

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