documenta – Das Museum der 100 Tage

Bald ist es wieder soweit: in wenigen Tagen, am 9. Juni 2012, öffnet die weltweit als bedeutendste Ausstellungsreihe der zeitgenössischen Kunst anerkannte documenta zum dreizehnten Mal dem gespannten Kunstpublikum in Kassel seine Tore.

Kleine Geschichte der documenta
Vor nun mehr als einem halben Jahrhundert im Jahre 1955 initiierte der in Kassel ansässige Kunstprofessor und Designer Arnold Bode zeitgleich und im Rahmen der damals ebenfalls in Kassel stattfindenden Bundesgartenschau diese Gruppenausstellung, welche weitreichende Folgen auf die nachfolgende Künstler- und Kuratorengenerationen haben sollte.

Das Ziel der ersten documenta war es, dem damaligen Kunstpublikum erstmals eine umfassende Übersicht über die während der Zeit des Nationalsozialismus verschmähte und so genannte entartete Kunst zu geben. So standen in dieser ersten Ausstellungsschau vor sllem die abstrakte Kunst der 20er und 30er Jahre wie beispielsweise die Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Kurt Schwitters und Piet Mondrian im Fokus der Aufmerksamkeit.

Nach und nach verlagerte sich jedoch der Schwerpunkt der darauffolgenden documenta-Ausstellungen auf das Feld der zeitgenössischen Kunst. Heutzutage macht die documenta alle fünf Jahre mit einer “Bestandsaufnahme” aktueller internationaler Tendenzen von sich Reden.

Walter de Marias vertikaler Erdkilometer
Zu den spektakulärsten Arbeiten, die in der Vergangenheit anlässlich einer documenta entstanden sind, gehört sicherlich bis heute eine zur documenta 6 im Jahre 1977 entstandene Außenarbeit des amerikanischen Land-Art-Künstlers Walter de Maria, der so genannte vertikale Erdkilometer.

Genau in der Mitte zwischen dem Fridericianum un dem Friedrichsdenkmal in Kassel ließ der Künstler ein exakt 1 Kilometer tiefes Loch in die Erde bohren in das er anschließend eine ebenso lange, massive Messingstange versenkte. Für den Betrachter sichtbar ist nur noch ein messingfarbener Kreis auf dem Fußgängerweg, der in Wirklichkeit die Oberfläche der Spitze der Messingstange markiert – eine monumentale und doch gleichzeitig unsichtbare Außenskulptur, deren wahre Dimensionen sich dem Betrachter nur noch in seiner eigenen Imagination erschließen.

Die 7000 Eichen von Joseph Beuys
Als echte Legende ist ein ebenso monumentales Landschaftskunstwerk des großen deutschen Künstlers Joseph Beuys in die Geschichte der documenta eingegangen. Im Zuge seiner Aktion “7000 Eichen” zur documenta 7 deponierte der Künstler 7000 massive Basaltblöcke in Form eines überdimensionalen Dreiecks auf den Vorplatz des Fridericianums. Für eine Spende von 500 DM war es jedem möglich, einen dieser Basaltblöcke aus der Masse zu entfernen und an einem beliebigen Ort ein junges Eichenbäumchen zu pflanzen, neben welchem dieser Steinblock abgelegt wurde. Es sollte ganze 5 Jahre dauern, bis der letzte Baum gepflanzt und der letzte Basaltblock seinen Ort gewechselt hatte. Der Künstler selbst sollte diesen bedeutsamen Abschluss seiner Aktion nicht mehr selbst erleben. Er starb 1986, ein Jahr vor der Vollendung seines Kunstwerkes.

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