Farbenrausch im Folkwang – Museum Essen

Das Museum Folkwang in Essen eröffnet im Herbst diesen Jahres eine Präsentation der ganz besonderen Art: Die Ausstellung mit dem Titel “Im Farbenrausch – Munch, Matisse und die Expressionisten” beschäftigt sich länderübergreifend mit der Entwicklung des Expressionismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Erstmals in der Museumsgeschichte werden dabei Werke französischer Expressionisten in einer umfassenden und direkten Gegenüberstellung zu Gemälden des norwegischen Künstlers Edvard Munch und den russischen und deutschen Expressionisten jener Zeit gezeigt. Der Erfolg dieser einzigartigen Zusammenstellung scheint vorprogrammiert, denn viele dieser Kunstwerke, die einst die Besucher des Pariser Herbstsalons im Jahre 1905 verstörten und empörten, sind heute zu absoluten Publikumsmagneten geworden.

 Die Fauves in Frankreich
Um einen Skandal zu evozieren, der auf Basis unserer heutigen Sehgewohnheiten nur noch schwer nachzuvollziehen ist, mussten die Gründerväter des Expressionismus, die so genannten Fauves Henri Matisse, Maurice de Vlaminck und André Derain mit Mut und großer Forschheit gegen das Bestehende opponieren. Während im Impressionismus alle Farben dem Lokalton zu entsprechen hatten, und die Wirklichkeit als flüchtige Erscheinung aufgenommen und wiedergegeben wurde, suchte diese neue Künstlergeneration nach einer neuen und tieferen Wahrheit des optisch Sichtbaren. Gleichzeitig rückten Gefühle und Empfindungen in das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Nicht das Motiv selbst, sondern die Empfindung beim Betrachten dieses Motivs sollte die Wahrheit über den Bildgegenstand vermitteln. Durch einen neuen Umgang mit dem Gestaltungselement der Farbe erreichten sie schließlich ihr erwünschtes Ziel. Der Bildraum wurde nunmehr durch ein kraftvolles und kontrastreiches Spiel der Farben definiert.

 Expressionismus in Deutschland
Die jungen deutschen und russischen Künstler verfolgten diese durch die Anfänge des französischen Expressionismus entstandene Neudefinition des Kunstverständnisses mit größter Aufmerksamkeit und ließen diese neuen Einflüsse in ihr eigenes Schaffen einfließen. Die in der Ausstellung präsentierten Werke von so unterschiedlichen Künstlern wie Franz Marc, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky und nicht zuletzt Gabriele Münter legen bis heute ein lebendiges Zeugnis dieses spannenden Kapitels der europäischen Kunstgeschichte ab. Der Besucher der Ausstellung kann so in direkter Erfahrung nachvollziehen, wie sich der Expressionismus in Deutschland zu jener Zeit zwar nach französischem Vorbild, dennoch aber sehr autark und eigenständig entwickelte.

Edvard Munch und die Expressionisten
Im Zuge der Entwicklung des Expressionismus kam dem norwegischen Maler Edvard Munch eine besonders einflussreiche Rolle zu. Die sogenannten Fauvisten entdeckten sehr schnell die Nähe ihrer damals revolutionären Ideen zu denen Munchs. Trotzdem sollte Munch seinen Einzelgänger-Status beibehalten. Versuche der deutschen Expressionisten, ihn für eine gemeinsame Gruppenausstellung zu gewinnen, scheiterten.

Exponate aus aller Welt
Für die Ausstellungspräsentation im Essener Museum haben die beiden Kuratoren Sandra Gianfreda und Mario-Andreas von Lüttichau sowohl Kunstwerke aus dem Sammlungsbestand des Museums als auch über 140 Gemälde aus Privat- und Museumssammlungen aus aller Welt vereint. Dabei ist es den engagierten Kuratoren gelungen, auch echte, wegweisende Meisterwerke der farbenfrohen und ausdrucksstarken Epoche des Expressionismus in das Folkwang-Museum nach Essen zu holen. So können die Besucher des Folkwang Museums zukünftig beispielsweise Henri Matisses Gemälde „Das geöffnete Fenster“, Max Pechsteins „Sitzendes Mädchen“ und sogar Andre Derains „Reiter auf weißem Pferd“ in Essen bewundern – Werke, die sich normalerweise in Washington, Berlin, und Helsinki befinden.

Die Ausstellung ist vom 29. September 2012 bis 13.Januar 2013 im Folkwang-Museum in Essen zu sehen.

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