Gerhard Richter – ein Picasso der Gegenwart?

Die britische Tageszeitung The Guardian hatte ihn als den erfolgreichsten Maler der Gegenwart und als “Picasso des 21. Jahrhunderts” bezeichnet. Seine Werke erzielen auf internationalen Auktionen Preise im zweistelligen Millionenbereich und das Museum of Modern Art in New York eröffnete im Jahre 2002 anlässlich seines 70. Geburtstages mit einer 188 Exponate umfassenden Ausstellung die größte Werkschau, die jemals einem noch lebenden Künstler gewidmet worden war. Wer ist dieser große Maler und was macht ihn besonders?

Ein Leben im geteilten Deutschland
Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren. Nach seiner Schulausbildung schloss er erfolgreich eine Ausbildung zum Schriften-, Bühnen- und Werbemaler ab und begann danach ab dem Jahre 1951 ein Studium an der Dresdner Kunstakademie der Malerei. Als erfolgreicher Meisterschüler erhielt Richter Aufträge des Staates der DDR und schuf in dieser Zeit vor allem Wandgemälde, Portraits, und Zeichnungen.

Von der DDR nach Westdeutschland
Als er sich allerdings Anfang des Jahres 1961 dazu entschloss nach Westdeutschland zu fliehen, musste er sämtliche bis dato geschaffene Werke zurücklassen. Leider sind der Nachwelt nur sehr weniger Gerhard Richter Bilder aus dieser Zeit in der DDR erhalten geblieben, da sie teilweise zerstört und übermalt wurden. In Düsseldorf gelang es Richter das Kunststudium an der dortigen Akademie wieder aufzunehmen.

Diese erste “westdeutsche” Phase seines malerischen Schaffens widmete er allen aktuellen Strömungen der modernen Malerei und ließ sich vom abstrakten Expressionismus, der Pop Art sowie von Fluxus und Neo-Dadaismus beeinflussen. Zehn Jahre später wurde Richter selbst als Malereiprofessor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen wo er bis 1993 als Lehrender tätig bleiben sollte. In Düsseldorf hatte Richter erste bedeutende Ausstellungserfolge und kooperierte mit einflussreichen Künstlern wie Sigmar Polke, Günther Uecker und Blinky Palermo. Neben vielen anderen Kollegen setzte er sich dort gemeinsam mit David Hockney, Richard Hamilton, Günther Uecker und Henry Moore für einen Künstler- und Arbeitskollegen Joseph Beuys ein, dem im Jahre 1972 die Professur entzogen werden sollte. Seit dieser Zeit stieg Richters Einfluss auf die internationale Malereiszene stetig an. Bereits 1993 wurde ihm eine große retrospektive Ausstellungsreihe in Madrid, Paris, Stockholm und Bonn gewidmet.

Das Besondere an Gerhard Richter
Was den Maler Gerhard Richter und sein künstlerisches Schaffen so einzigartig macht, das offenbart sich dem Betrachter am Besten, wenn er seine Werke chronologisch betrachtet. Dies entspricht dem Ausstellungskonzept der umfassenden Gesamtschau “Gerhard Richter. Panorama”, die noch bis vor Kurzem in der Neuen Nationalgalerie Berlin zu sehen war. Dem Überblicksanspruch einer retrospektiven Ausstellung entsprechend wurden hier Gerhard Richter Gemälde aus 5 Jahrzehnten in der Reihenfolge ihrer Entstehung angeordnet ausgestellt.

Schnell wurde auf diese Weise deutlich, wie heterogen Richters künstlerische Position zu jedem Zeitpunkt seines Schaffens war. Durch die konsequente Befragung des Mediums der Malerei bis an die Grenzen des Bildes beschäftigte sich Richter stets mit allen Aspekten der Figuration und der Abstraktion. So entstanden fotorealistische Darstellungen neben abstrakten Farbexperimenten, altmeisterlich gefertigte Landschaftsgemälde neben sich in gestischer Auflösung begriffenen Stadtansichten und Vanitas-Motive neben komplexen und expressiven Abstraktionen.

Die ständige Erweiterung des Bildraumes vollzog er nicht zuletzt auch durch vollkommen neue Erfindungen der Malerei, wie sie beispielsweise seine Spiegel- und Glasarbeiten darstellen. In keinem anderen malerischen Werk hat sich dieser Prozess so manifestiert wie in dem Gerhard Richters.

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