Große Frank-Stella-Retrospektive im Kunstmuseum Wolfsburg

In der groß angelegten Ausstellung “Frank Stella – Die Retrospektive, Werke 1958-2012″ zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg im Herbst diesen Jahres die bisher umfangreichste Werkschau des amerikanischen Malers. Der 1936 in Malden, USA, geborene Frank Stella zählt heute zu den letzten großen Vertretern der amerikanischen Malerei der 1950er und 1960er Jahre. Bis heute fasziniert der inzwischen in die Jahre gekommene Maler das internationale Kunstpublikum durch seinen ungebrochenen Schaffensdrang und seine stetige Wandlungsfähigkeit.

Frank Stella schlägt mit dem Beginn seines künstlerischen Werkes in den späten 50er-Jahren durch seine experimentelle Arbeitsweise die Brücke zwischen der Stilrichtung des abstrakten Expressionismus mit ihren großen Vertretern wie Jackson Pollok, Mark Rothko und Barnett Newman und der beginnenden Abstraktion als Vorbote der Tendenzen des einsetzenden 21. Jahrhunderts.

Gegen den Strom
Als Stella im Jahre 1958 nach Ende seines Studiums sein künstlerisches Schaffen in einem kleinen Atelier in Princeton in New York aufnimmt, sind seine Werke bereits sowohl in der Formen- als auch in der Farbgebung stark reduziert und streng komponiert. Mit seinen wenig später nur noch aus exakt angelegten, schwarzen Linien und Streifen bestehenden Gemälden setzt sich der junge Stella maßgeblich von den damals vorherrschenden Stilrichtungen des abstrakten Expressionismus und des Action Paintings ab. Dennoch oder gerade deshalb erobert der damals zwanzigjährige, junge Maler binnen kürzester Zeit die New Yorker Kunstszene. Als er bereits 1970 seine erste Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art erhält, wird er zum Geburtshelfer der sich damals entwickelnden Minimal Art. Seine großformatigen, puristischen “Black Paintings” sollen wichtige Impulse für die folgenden Malergenerationen jener Zeit setzen.

Auf eigenen Pfaden
Zur Überraschung der Kritiker und Kunsthistoriker, schlägt der experimentelle Maler jedoch zeitgleich mit der Entwicklung minimalistisch anmutender Gemälde eine vollkommen neue, parallel laufende Richtung innerhalb seines Schaffens ein. So entstehen neben den sehr reduzierten und streng komponierten Leinwänden beinahe barock anmutende Reliefs. Durch die so entstandene physische Einbeziehung des Raumes in das Medium der Malerei setzt Stella schon sehr früh Maßstäbe für ein neues, formatübergreifendes Verständnis der Malerei.

Wandlung und Neudefinition der Malerei
Innerhalb seines nunmehr über fünfzig-jährigen, künstlerischen Schaffens wandelte Stella sein Werk ständig. So überführte er seine zunächst flächige Malerei in erhabene Reliefs und schließlich in dreidimensionale Skulpturen und komplexe Raum-Architekturen. Mit großer Experimentierfreudigkeit integrierte er immer wieder neue Materialien und Werkstoffe in seine Kunstwerke und nahm sich stets neue Technologien und digitale Werkzeuge zur Hilfe. Somit gelang es ihm bis zum heutigen Tage sich und seine Kunst stets aufs Neue zu entdecken und zu erfinden. Bis heute verleihen seine Werke der zeitgenössischen, abstrakten Malerei neue Aktualität.

Stella und das Ornament
Parallel zur großen Retrospektive lädt das Kunstmuseum Wolfsburg seine Besucher in den angrenzenden Räumen des Museums in die Ausstellung “Ornament – Ausblick auf die Moderne. Ornamentgrafik von Dürer bis Piranesi” ein und eröffnet somit einen interessanten Diskurs über Stellas Werk im Kontext der früheren Kunstgeschichte. Folgt die Entwicklung vom Minimalismus zum ausufernden Maximalismus einer eigenen Logik, die sich im Laufe der Kunstgeschichte schon weit vor der Epoche der Moderne mehrmals manifestiert hat?

Die umfassende Werkschau Stellas bildet gleichzeitig den Abschluss einer Reihe von Werkpräsentationen anlässlich des 75. Geburtstages des international renommierten Künstlers. Zu sehen ist die Ausstellung vom 08.09.2012 bis zum 20.01.2013 im Kunstmuseum Wolfsburg.

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