Jeff Koons – King of Kitsch

Jeff Koons ist mit Sicherheit einer der bekanntesten zeitgenössischen US-amerikanischen Künstler. Seine poppig bunten Kunstwerke polarisieren das Publikum – immer wieder sorgt Koons Kunst für großes Aufsehen und kleine Skandale innerhalb der Kunstwelt. Passend zur zeitgleich stattfindenden Art Basel, der einflussreichsten Kunstmesse der Schweiz, zeigt Die Foundation Beyerle nun eine Werkschau des heute 57-jährigen Megastars der Kunstszene. Das Besondere dieser Ausstellung ist ihre ungewöhnlich umfangreiche Konzeption. Theodora Vischer, Kuratorin der Ausstellung entschied sich gemeinsam mit dem Künstler für Kunstwerke aus drei Schaffensperioden des Künstlers die im Groben die nun mehr 30-jährige Schaffenszeit des Künstlers abdecken.

The New
“The New” betitelt die erste Gruppe der Ausstellung, deren Werke um die 1980er Jahre herum entstanden sind. Dabei handelt es sich vornehmlich um Objektskulpturen aus Staubsaugern, Reinigungs- und Shamponiergeräten, die sich wie kostbare Objekte von unten beleuchtet in Vitrinen befinden. Der Bezug dieser Arbeiten zu den Ready-Mades von Marcel Duchamp ist offensichtlich, gleichzeitig grenzt sich Koons allerdings mit diesen Arbeiten entschieden von dem Aspekt des zur Kunst erhobenen, beliebigen Alltagsgegestand in der Funktion als Repräsentant des Trivialen ab.

Für Koons sind seine Objekte, die sich allesamt unbenutzt und ohne jegliche Gebrauchsspuren beinahe sakral in Vitrinen befinden, bewusst gewählte Archetypen der Unberührtheit, der Reinheit und der Ganzheit. Der Künstler selbst interpretiert die Schläuche und Öffnungen der Objekte, die er auch als atmende Maschinen bezeichnet, als Aspekte einer Art von Doppelgeschlechtlichkeit, die ebenfalls ein Ideal der Ganzheit und Ursprünglichkeit darstellt.

Banality
Diese frühe Werkgruppe sollte eine Grundlage des gesamten späteren Werkes von Jeff Koons darstellen. Die erarbeiteten Aspekte der Unberührtheit und Ganzheit spiegeln sich auch noch in der acht Jahre später entstandenen Schaffensperiode “Banality” wieder. In nur wenigen Monaten entstanden über 20 großformatige, figürliche Skulpturen aus Holz und Porzellan. Die Motive dieser Arbeiten erinnern an bekanntes Inventar aus Souvenir- und Spielzeugläden. Doch die Figuren wie dem Pink Panther, kleinen Kätzchen oder winkenden Bärchen werden bei Koons zu Skulpturen monumentaler Größe, die dem Ausstellungsbesucher um Aufmerksamkeit werbend entgegentreten.

Aufgrund ihrer Kontextverlagerung in das Museum und damit in den Bereich der modernen Kunst irritieren sie allerdings gleichzeitig – Jeff Koons proklamiert somit nicht nur im Kunstkontext Banalität als Gegenprogramm zu gesellschaftlichen Konventionen – Offenheit, Unberührtheit und Unschuld statt Schuldgefühle und Vorurteile scheint hier sein Statement zu lauten.

Celebration
Die letzte Werkreihe der Ausstellung, die Koons Werke aus der Mitte der 90er Jahre bis in die Gegenwart umfasst, markiert offensichtlich einen künstlerischen Neubeginn des gereiften Künstlers. Zu sehen sind monumentale Skulpturen aus Chromstahl, die Luftballonfiguren nachempfunden sind. Die Oberflächen der Skulpturen sind mit größter Perfektion spiegelglatt geschliffen. In diesen bunten Spiegel-Objekten erlebt der Ausstellungsbesucher sich selbst und den Umraum wie ein funkelndes und lebendiges Spiel. Die Motive aller dieser Objekte stammen wieder aus dem Vokabular der Kindheit – Jeff Koons allerdings hat sie durch ihre monumentale Größe und ihre dadurch beinahe abstrakte Erscheinung zu majestätischen, lebensbejahenden Ikonen transformiert.

Split Rocks
Die größte und gleichzeitig aktuellste Arbeit ist allerdings im Außenraum des Museums zu bewundern. Dort platzierte Koons exklusiv für die Ausstellung ein mit etwa 100.000 Blumen bepflanztes Zwitterwesen, halb Pony, halb Dinosaurier.

Die Ausstellung Jeff Koons ist noch bis 02.9.2012 in der Foundation Beyeler in Riehen bei Basel zu sehen.

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