Land Art im Haus der Kunst in München

In einer umfassenden Retrospektive widmet sich eine Sonderausstellung im Haus der Kunst in München den Ursprüngen der Epoche der so genannten Land Art, die gegen Ende der 1960er Jahre in den vereinigten Staaten von Amerika entstand und bis heute einen starken Einfluss auf Künstler, Architekten und Landschaftsarchitekten ausübt. Die aufkommende Land-Art-Bewegung jener Zeit stellte neben dem Minimalismus das wohl radikalste jemals von Künstlern formulierte Konzept dar.

Die Interessen der Landverhafteten-Art-Künstler unterschieden sich allerdings grundsätzlich vom jenen ihrer im Minimalismus verhafteten Kollegen. Während sich die so genannten Minimalisten stets um größtmögliche Offenheit und Objektivität ihrer Werke bemühten und ihre Arbeiten in den bestehenden Austellungskontext in Museen und Galerien platzierten, lehnten die Vertreter der Land Art oder Earth Works eine entsprechende Kommerzialisierung und Einverleibung ihrer Werke durch Kunstmarkt und Ausstellungsinstitutionen radikal ab.

Von dem Wunsch angetrieben, Kunstwerke zu schaffen, die weder institutionell ausstellbar, transportabel, käuflich noch von dauerhafter Existenz waren begannen sie damit die Natur, die Landschaft und die Erde als Ganzes zum Medium und so genannten Bildträger ihrer Kunst zu machen. Durch diesen durchaus als gesellschaftskritisch zu verstehenden Ansatz ihrer neuen Kunstproduktion hinterfragten sie auf ebenso intelligente wie radikale Weise die Produktions,- und Präsentationsbedingungen der damaligen Kunst.

Ends of the Earth – Land Art bis 1974
Die Ausstellung “Ends of the Earth – Land Art bis 1974″ zeigt und dokumentiert mehr als 200 zwischen 1960 und 1974 entstandene Arbeiten bekannter und unbekannterer Vertreter und Vertreterinnen dieser Kunstepoche. Doch auch wenn sich die einzelnen Teilnehmer dieser Ausstellung unter dem gemeinsamen und programmatischen Konzept der Land-Art-Bewegung vereinen lassen, sind ihre Herangehensweisen an das neu entdeckte Medium subjektiv und äußerst individuell.

So thematisiert beispielsweise der japanische Künstler Isamu Noguchi in einem besonders eindrucksvollen Werk der Ausstellung die Aspekte einer gequälten und zerstörten Erde: Die Fotografie eines überdimensionalen in die Erdoberfläche eingearbeiteten Gesichtes, dessen Nase alleine über eine Meile misst, zeugt von einem Kunstwerk dass die Aufmerksamkeit des Betrachters an das Antlitz der Erde erinnert, welches im Krieg zerstört wurde.

Auch Künstler wie Robert Barry, Artur Barrio, Christo, Heinz Mack, Adrian Piper und Yitzhak Danziger weisen mit ihren gesellschaftskritischen Werken auf die Verwundung der Erde durch diktatorische Konzepte, Kriegsmaschinerie und Besiedlung hin. Yves Klein dagegen widmet sich 1961 in seiner Serie “Planetary Reliefs” vielmehr der Schönheit und der romantisch und beinahe utopisch anmutenden Idylle unseres Planeten. Seine Vorstellung, dass der Planet Erde vom Weltraum aus betrachtet eine überwiegend bläuliche Färbung aufweisen würde und dass mit der Farbe Blau alle den Menschen einschränkenden Grenzen zu überwinden seien, inspirierten ihn zu diesen beeindruckenden Reliefs.

Kunst und Medien
Ein Schwerpunkt der Münchner Ausstellung stellt die Erkundung des Verhältnisses zwischen der Entwicklung der Land Art und den zeitgenössischen Pressemedien wie Fotografie und Film dar. Während sich gerade zu Beginn der Land-Art ihre radikalsten Vertreter sogar dagegen wehrten, dass ihre in der freien Natur geschaffenen Werke fotografiert oder gefilmt wurden gaben wenig später bedeutende Fernsehsender und Magazine entsprechende Kunstwerke in Auftrag und veröffentlichten diese nach ihrer Fertigstellung in ihrem Medium. So erhielt der Schweizer Künstler Jean Tinguely im Jahre 1962 beispielsweise vom amerikanischen Sender NBC den Auftrag eines entsprechenden Kunstwerkes und errichtete daraufhin auf einem in der Nähe eines nuklearen Testgeländes gelegenen Abschnittes der Wüstenlandschaft von Nevada eine überdimensionale Skulptur aus Müll, die sie wenig später in die Luft sprengten. Filmaufnahmen dieser spektakulären Explosion werden anhand eines Videobeitrages innerhalb der Ausstellung gezeigt.

Die Ausstellung “Ends of the Earth – Land Art bis 1974″ ist noch bis zum 20. Januar 2013 im Haus der Kunst in München zu sehen.

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