Op Art – die optische Kunst des Victor Vasarely

In den Sechzigerjahren wurde der ungarische Künstler Victor Vasarely (1908 – 1997) zum Begründer einer neuen Kunstbewegung, deren Vertreter in den Medien der Malerei und der Skulptur mit den physikalischen Phänomenen so genannter optischer Täuschungen experimentierten.

Die Kraft der Farbe
Bereits die Künstler des russischen Konstruktivismus und des Bauhauses hatten kurz zuvor mit stetem Interesse die Gesetzmässigkeiten von Licht und Farbe untersucht. Im Zuge dieser Entwicklung hatte die Wirkung der Farbe als Gestaltungsprinzip für die geometrisch-abstrakte Malerei zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Farbe, die auf der Oberfläche eines materiellen Körpers erst durch die Einwirkung des an sich immateriellen Lichtes in Erscheinung treten kann, wurde somit zum Hauptgestaltungsmittel der Op-Art-Gemälde.

 Bewegung durch optische Täuschungen
Auf zweidimensionaler Ebene entstehen die Gemälde der statischen Op-Art. Regelmäßige schwarz-weiße Muster erzeugen den so genannten Umspring-Effekt, den das menschliche Auge als eine Art flimmernde Bewegung wahrnimmt. Vasarely erreicht eine ähnliche Wirkung, indem er seine Bilder aus einer Masse sich wiederholender geometrischer Grundformen aufbaut. Durch Dehnung oder Drehung einiger dieser Elemente entsteht im Auge des Betrachters die Illusion einer fließenden Bewegung.

 Das reproduzierbare Kunstwerk
Vasarely bedient sich also der Erkenntnisse der wissenschaftlichen Erforschung von Wahrnehmungsphänomenen und lässt diese in seine Werke einfließen. Durch diesen Vorgang machen seine Arbeiten die Wirkungsprinzipien von Farbe, Licht und Form für den Betrachter durch seinen eigenen Sehprozess erfahrbar.

Dabei vervielfältigt er seine streng geometrischen Bildkompositionen mithilfe unterschiedlicher Druckverfahren und fertigt Poster und Multiples seiner Arbeiten an. Das von ihm propagierte reproduzierbare Kunstwerk entledigt sich so aller Ansprüche an das Gemälde als ein individuelles Unikat.

Sowohl die radikal geometrischen Bildstrukturen als auch der stark reduzierte Inhalt entindividualisierten seine Werke.

Kunst und Design
Dies ist sicherlich der Grund weshalb die Op-Art einen großen Einfluss auf den angewandten Bereich der Kunst ausübte. Die Übergänge zu reinem Dekor waren stets fließend. Vasarely selbst entwarf beispielsweise im Jahre 1972 ein Logo für den Automobilhersteller Renault in Form eines Op-Art-typischen Rautenmusters. Nichtsdestotrotz war Victor Vasarely stets ein anerkannter und höchst erfolgreicher Künstler, der mit vielen internationalen Kunstpreisen geehrt wurde und bis heute in zahlreichen hochkarätigen Ausstellungen vertreten ist.

So war er beispielsweise in den Jahren zwischen 1955 und 1972 viermal in Folge auf der Documenta in Kassel beteiligt. 1987 wurde das Vasarely-Museum in seinem Geburtsland Ungarn eröffnet.

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