Philipp Otto Runge – Wegbereiter der Romantik

Philipp Otto Runge gilt als Begründer der deutschen Romantik und ist neben Caspar David Friedrich der bedeutendste Vertreter der norddeutschen Frühromantik. Am 23.Juli 1777 in Wolgast als Sohn eines Kaufmanns geboren, erkrankte Runge bereits als Kind an Lungentuberkulose. Im Krankenbett sitzend und liegend entdeckte er die Kunst des Scherenschnittes für sich und brachte diese Technik innerhalb kürzester Zeit zu einer erstaunlichen Perfektion. Dieses Handwerk sollte ihm den Weg zu seinen späteren künstlerischen Bildfindungen weisen und entfachte in ihm den sehnlichen Wunsch, einmal ein großer Maler zu werden.

Die Überwindung des Akademismus
Erst im Alter von 20 Jahren erhielt Runge erstmals Zeichenunterricht. Der Wunsch nach einer professionellen Ausbildung verstärkte sich und so begann er ab dem Jahre 1799 ein zweijähriges Studium an der königlichen Akademie in Kopenhagen, wo er vor allem in den damals üblichen akademischen Bild- und Kompositionstechniken ausgebildet wurde.

Die prägendste Zeit seines Lebens stellte für Runge sicherlich die daran anschließende Studienzeit an der Kunstakademie Dresden dar. Hier kam er erstmals in direkten Kontakt mit den großen Künstlerpersönlichkeiten seiner Epoche. So pflegte er in dieser Zeit beispielsweise Kontakte zu dem bedeutenden Maler Caspar David Friedrich, und zu den Dichtern Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig Tieck und Novalis.

Bereits in den frühen Landschafts- und Aktstudien dieser Zeit macht sich das außerordentliche, handwerkliche Talent Runges bemerkbar, welches auch seinen Lehrern nicht verborgen blieb. Trotz allem fokussierte Runge sich auf seine großen geistigen Konzepte und schaffte es, den in seinen Augen starren, antike-orientierten Akademismus zu überwinden. Mit großem Eifer und einer inbrünstigen Leidenschaft widmete er sich in seiner künstlerischen Arbeit seinen romantisch geprägten Ideen. In Portraits wie “Die Hülsenbeckschen Kinder” oder “Die Eltern des Künstlers” wird der Mensch zu einer Allegorie für das Feinsinnige, Ursprüngliche und Göttliche.

Die Idee des Gesamtkunstwerkes
Philipp Otto Runges Schaffen wurde von der Vision eines Gesamtkunstwerkes angetrieben, einer Idee, die bis in die Moderne von unterschiedlichsten Künstlern, Architekten und Komponisten wie Kurt Schwitters, Antonio Gaudi, Richard Wagner und nicht zuletzt Joseph Beuys weiterverfolgt wurde. Runge betrat allerdings zur damaligen Zeit mit diesen Gedanken künstlerisches Neuland. Malerei, Dichtung, Musik und Architektur sollten sich in einem einzigen großen Gesamtkunstwerk vereinen und den Bereich der bildenden Kunst mit allen Bereichen der alltäglichen Welt vereinen.

Der große Morgen
Alle Aspekte seines Verständnisses von Kosmos und Transzendenz sollten in seinem vielschichtigen grafischen Hauptwerk zu den Tageszeiten zusammenfließen. Das wohl eindrucksvollste Werk dieses Zyklus ist “Der Morgen”, welcher allerdings in seiner zweiten Fassung unvollendet blieb und heute nur noch fragmentarisch erhalten ist. Das Gemälde zeigt eine von Arabesken umgebene, stilisierte Landschaft in strahlender Morgensonne. Aurora, die Göttin der Morgenröte befindet sich in der Bildmitte. Aus ihrer rechten Hand entspringt eine überdimensionale Lilienblüte. Kleine Engel und Kindergestalten verzieren die Komposition. Ein mittig auf der Erde liegendes Kind wird christusähnlich von einem beinahe übernatürlich erscheinenden Sonnenstrahl erleuchtet.

Runge selbst bezeichnete den Morgen als “die grenzenlose Erleuchtung des Universums”, weshalb dieses Werk in der Kunstgeschichte häufig als seine persönliche mystische Vision der Welteinheit und als eine Allegorie für das ewige Werden und Vergehen in der natürlichen Schöpfung interpretiert wurde.
Noch bevor er dieses bedeutende Werk vollenden konnte, starb Philipp Otto Runge starb am 2. Dezember 1810 in Hamburg. Bezeichnenderweise erblickte am 3. Dezember 1810, nur einen Tag nach seinem Tod, sein jüngster Sohn mit dem Namen Philipp Otto das Licht der Welt.

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