Roy Lichtenstein und die Pop-Art

Roy Lichtenstein zählt neben Andy Warhol zu den Begründern und bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Pop-Art. Der Name dieser in den sechziger Jahren entstandenen Kunstrichtung bezeichnet eine populäre, also an die Massen gerichtete Kunst, deren Vertreter bewusst Motive der Alltags- und Trivialkultur zum Ausgangspunkt ihrer Werke machten. Während sie im Allgemeinen durch die bloße Abbildung und Reproduktion von Konsumgütern und Comic-Motiven Kritik an der westlichen Konsumgesellschaft übten, wurde das Schaffen Roy Lichtensteins ebenso von einem großen Interesse an der Erforschung der veränderten Wahrnehmungsprozesse und Sehgewohnheiten des modernen Menschen vorangetrieben.

Kindheit und Jugendjahre
Roy Fox Lichtenstein erblickt im Jahr 1923 in New York das Licht der Welt. Als Sohn eines Grundstücks- und Immobilienmaklers wuchs der kleine Roy innerhalb einer recht gut situierten, mittelständischen Bürgerschicht auf. Auch wenn ihm das Privileg zuteil wird, eine von seinem Vater eigens ausgewählte Privatschule zu besuchen, wird ihm zu dieser Zeit noch keine künstlerische Ausbildung zuteil, was daran liegt, dass Kunst keine wichtige Rolle im Leben der Familie einnimmt und so auch die besagte Schule keinen Kunstunterricht erteilt. Dennoch entdeckt Lichtenstein bereits in seinen Jugendjahren seine künstlerische Ader und beginnt damit erste Mal- und Zeichenversuche anzufertigen.

Im Jahre 1939 nach seinem High-School-Abschluss entscheidet er sich schließlich für ein Kunststudium an der an der Ohio State University, welches er allerdings zwischen 1943 und 1945 unterbrechen muss, da er für den Kriegsdienst während des Zweiten Weltkriegs eingezogen wird. Während seiner Stationierung in Europa fertigt er viele Naturstudien von Alltagsmotiven und Skizzen nach Straßen- und Café-Szenen an.

Das künstlerische Frühwerk
Wieder in New York angekommen unterhält Lichtenstein in den Jahren zwischen 1949 und 1951 unterschiedliche Lehrtätigkeiten und Assistenz-Professuren und arbeitet zeitgleich an seinem künstlerischen Werk. Dabei konzentriert er sich vornehmlich auf Sujets aus der amerikanischen Kultur. Diese frühen Werke Lichtensteins zeugen von seiner damals besonders intensiven Auseinandersetzung mit dem Expressionismus, dem Kubismus und der Abstraktion. Ebenfalls im Jahre 1949 heiratet Lichtenstein seine Frau Isabel Wilson, mit der er 1954 und 1956 zwei Söhne bekommt. Trotz seines intensiven künstlerischen Schaffens und einigen Ausstellungen in unterschiedlichen Galerien bleibt sein Durchbruch als Künstler zunächst aus.

Der Beginn der Pop-Art
Im Jahr 1960 erhält Lichtenstein eine Anstellung an der Rutgers University in New Jersey. Dort macht er die Bekanntschaft mit vielen wichtigen Künstler-Kollegen seiner Zeit wie beispielsweise Allan Kaprow, Claes Oldenburg und Robert Whitman. Zu dieser Zeit erregt Kaprow große Aufmerksamkeit durch Performances und Installationen bei denen er Alltagsgegenstände als Ausgangsmaterial verwendet. Dieser damals neue Weg, den Robert Rauschenberg und Jasper Johns, ebenso wie deren aller Lehrer John Cage auf unterschiedlichsten Wegen beschreiten, sollte einen prägenden Einfluss auf Lichtensteins Arbeit ausüben. Stück für Stück entwickelt er unter Einbezug von Bildmotiven aus der Comic-Ästhetik seine für ihn charakteristisch gewordenen Bildsprache.

 Durchbruch mit Mickey Mouse
Sein Bild mit dem Titel “Look Mickey” sollte ihm schließlich zum künstlerischen Durchbruch verhelfen. Nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem New Yorker Galeristen Leo Castelli werden Lichtensteins Bilder innerhalb kürzester Zeit an die bedeutendsten Kunstsammler der Welt verkauft. Bereits sechs Jahre später werden seine Werke unter großem Zuspruch auf der Biennale in Venedig gezeigt. Das revolutionär Neue in seinen Werken sind neben der Verwendung von Motiven, die den populären Comics entspringen, deren Darstellungsweise, welche durch Aufrasterung und Veränderung von Farbe und Bildausschnitt die Bildinhalte verfremdet und somit das moderne, durch Massenkultur und Medien geprägte Gesellschaftsbild hinterfragen.

Im Alter von 73 Jahren verstirbt Roy Lichtenstein 1997 in seiner Heimatstadt New York und hinterlässt seiner Nachwelt ein ebenso komplexes wie für alle nachfolgenden Künstlergenerationen prägendes Werk.

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