Schwarze Romantik im Städel Museum

Passend zur dunklen Jahreszeit zeigt sich das Städel Museum in Frankfurt am Main in diesem Jahr von seiner düsteren Seite. Eine umfassende Sonderausstellung mit dem Titel “Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst.” wagt sich bis tief in die dunklen Nacht- und Schattenseiten der deutschen Romantik vor. Mit weit über 200 Ausstellungsexponaten aus den Medien der Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie und des Films lockt diese ungewöhnliche Ausstellung ihre Besucher in die Welt des Düsteren, Abgründigen und Geheimnisvollen.

Die deutsche Romantik: Kehrseite der Vernunft
Im Zentrum der Ausstellung steht die Kunst der Epoche der Romantik, sowie deren Vorreiter und Erben. Die französische Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts stellte die Speerspitze einer politischen, geisteswissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung dar, die sich den Idealen der klassischen Schönheit, des vernunftgesteuerten Denkens und der Selbstbestimmtheit des Individuums verschrieben hatte. Als sich ihre Errungenschaften jedoch binnen kürzester Zeit durch Krieg, Terror und einer weiteren Schreckensherrschaft in ihr Gegenteil zu verkehren schienen, begannen viele junge Philosophen, Poeten und bildende Künstler eine entgegengesetzte Denkweise einzuschlagen.

Erschrocken über das in ihren Augen grausame Zeitalter der Vernunft und dessen Wirklichkeit verlagerten sie ihr Interesse auf das tiefste Innere der menschlichen Seele und propagierten eine neue naturverbundene Innerlichkeit. Künstler, deren Vertrauen in die Werte der Aufklärung zutiefst erschüttert war, beschäftigten sich nun ebenfalls intensiv mit dem Abgründigen des Menschseins und tauchten so ein in die Reiche des Unbewältigten, Unbewussten und Verdrängten. Alte Mythenfiguren, Dämonen, Geister und Archetypen der Angst und des Unheimlichen begannen nun ihre Bilder zu bevölkern. Auch viele Gemälde des wohl bedeutendsten Vertreters der deutschen Romantik, Caspar David Friedrich, zeigen einsame Gräber und verlassene, beinahe magisch anmutende Naturschauplätze in düsterer Atmosphäre.

Die Mystik des Symbolismus
Viele Motive und Themen der Romantik wurden in späteren Künstlergenerationen immer wieder aufgegriffen und umformuliert. In der Epoche des Symbolismus waren es vor allem symbolisch aufgeladene Figuren, die die Aspekte des Unheimlichen und Abgründigen personifizierten.

In Franz Stucks Gemälde “Die Sünde”, verkörpert beispielsweise eine schöne, aber düstere Frau die verführerische Seite des Bösen. Lasziv präsentiert sie ihren aufreizenden Körper der von einer mächtigen dämonischen Schlange umspielt wird. Ihr Gesicht, das sich vollkommen in einer dunklen Schattenecke des Bildes befindet, fixiert ihre Betrachter und scheint sie förmlich in ihr dunkles Reich hinein zu locken.

Das Reich des Unbewussten
Viel später, während der Epoche des Surrealismus erlebten viele Motive der Romantik eine Renaissance der Moderne. Die Surrealisten, die sich ganz der Dynamik des Unbewussten verschrieben hatten, begeisterten sich für die durch tiefe Innerlichkeit entfesselten Fantasien der Romantiker. Die Ausstellung im Städel Museum zeigt eindrucksvolle Werke dieser Epoche. Künstler wie André Breton, Max Ernst und nicht zuletzt Salvador Dalí schöpften die Motive ihrer Bilder aus ihrem tiefsten Inneren und schufen dabei Werke, die sich durchaus in der Tradition der Romantik verorten lassen. Gleichsam fasziniert waren sie ebenfalls von einschlägigen Kinofilmen jener Zeit wie den heutigen Klassikern “Frankenstein”, “Faust” und “Der Fuhrmann des Todes”. Ausschnitte aus diesen Filmen werden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt und verbinden sich zu einem spannenden Dialog mit den übrigen Ausstellungsexponaten.

Die Ausstellung “Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst.” ist noch bis zum 20. Januar 2013 im Städel Museum in Frankfurt zu sehen.

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