Tamara de Lempicka – Die Femme fatale des Art Deco

Die polnisch-französische Malerin inszenierte sich als kluge glamouröse Diva der gutbürgerlichen Gesellschaft und der Kunstwelt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke hinterließen durch ihren sehr eigenen Malstil, der sich zwischen Realismus, Neoklassizismus und Postkubismus bewegt, großen Eindruck bei ihren Zeitgenossen und verhalfen ihr bis zum heutige Tage zu weltweiter Anerkennung.

Eine Jugend mit Privilegien
Die polnische Künstlerin Tamara de Lempicka wird im Jahre 1898 unter dem gebürtigen Namen Maria Gorski in eine großbürgerliche Familie in Moskau geboren. Sie selbst modifiziert diese Daten und gibt an, vier Jahre später im polnischen Warschau zur Welt gekommen zu sein. Beide Elternteile stammen aus äußerst wohlhabenden Familien und können ihrer Tochter eine Kindheit mit vielen Privilegien bieten.

Schon im Kindesalter erhält das selbstbewusste und eigenwillige Mädchen praktischen Kunstunterricht. Als sich die Eltern trennen, entscheidet sich Tamara aus Protest fortan bei ihrer Tante in Moskau zu leben und besucht die Akademie der Künste in St. Petersburg. Im Alter von 16 Jahren lernt sie dort alle Facetten eines luxuriösen und ausschweifenden Lebens in der Oberschicht der Gesellschaft kennen und begegnet ihrem zukünftigen Ehemann, dem gut situierten und wohlhabenden Rechtsanwalt Tadeusz de Lempicki.

Die Pariser Jahre
Im Zuge der Oktoberrevolution im Jahre 1918 sieht sich das jung verheiratete Paar gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und flieht über Kopenhagen in die Kunstmetropole Paris. Dort kann Tamara ihre künstlerische Ausbildung weiterverfolgen und wird Schülerin der damals bekannten französischen Maler André Lhotse und Maurice Denis.

Während Denis ihr vor allem auf dem Gebiet der Komposition zu großer Meisterschaft verhilft, bringt Lhotse sie mit dem “korrigierten Kubismus” in Kontakt, eine Art “salonfähiger” Kubismus, der durch seine wiedergewonnenen realistischen Züge gerade einer von den Grauen des ersten Weltkrieges traumatisierten Generation gefälliger erscheinen muss. In Paris kommt kurze Zeit nach ihrer Ankunft Tadeusz und Tamaras gemeinsame Tochter Kizette zur Welt.

Als Tadeusz Schwierigkeiten hat, in Paris eine Anstellung als Anwalt zu bekommen, entscheidet sich Tamara, den Unterhalt der Familie als Malerin zu verdienen. Und wirklich lässt ihr künstlerischer Durchbruch nicht lange auf sich warten: Zwischen 1925 und 1935 erlebt sie ihre herausragendsten Erfolge als Malerin und selbstinszenierte Kunstfigur in der Welt der Schönen und Reichen. So versteht sie es, geschickt die Motive ihrer Bildwelten – elegante Personen mit kühler erotischer Ausstrahlung, effektvoll vor einer Großstadtkulissen in Szene gesetzt – mit ihrem eigenen ausschweifenden und schillernden Lebensstil zu verbinden.

Innerhalb kürzester Zeit erwirbt sie sich einen Ruf als schöne, kluge und unersättliche Femme fatale, die sowohl durch ihre exzentrische Kunst, jedoch auch nicht zuletzt durch ihre divenhaft-theatralischen Auftritte das wohl situierte Publikum an sich bindet. Ihre Bilder, die stets eine starke Tendenz zum Dekorativen aufweisen bedienen dank ihrer anonymen und doch sehr sinnlichen Intimität den Geschmack der Pariser Bourgeoisie, welche den Großteil ihrer Kundschaft ausmachte. An ihrem künstlerischen Erfolg scheiterte schließlich auch die Ehe mit Tadeusz. Bereits kurz nach der offiziellen Trennung heiratet sie den ungarischen Baron und Kunstsammler Kuffner, mit dem sie gemeinsam nach Amerika übersiedelt.

Jahre jenseits des Rampenlichtes
Auch wenn es ihr in Amerika innerhalb kürzester Zeit gelingt, zur beliebtesten Künstlerin Hollywoods zu avancieren, schwindet mit zunehmenden Alter auch ihre künstlerische Durchschlagskraft und damit auch ihr Erfolg. Auch ein in den 1970er Jahren unternommenes Comeback mit neuen, abstrakten Bildern der Malerin scheitert angesichts der Errungenschaften der damals aufkommenden Pop-Art. Tamara de Lempicka führt fortan ein Leben fern ab von der glamourösen Welt des Kunstmarktes und stirbt im Alter von 82 Jahren in Mexiko.

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