Thomas Ruffs fotografische Reise in die künstlerische Selbstfindung

Thomas Ruff ist neben Andreas Gursky der wohl bekannteste und erfolgreichste Fotograf der zeitgenössischen Kunst. Gerade vor Kurzem endete eine umfassende Werkschau seiner bisherigen Arbeiten im Haus der Kunst in München, die mit einer Übersicht über die unterschiedlichen Schaffensphasen und Fotoserien des Künstlers auf eindrucksvolle Art und Weise viele Aspekte seiner stetigen Entwicklung beleuchtete.

Einflüsse des Studiums
Sein Kunststudium absolvierte Ruff an der Kunstakademie Düsseldorf bei niemand geringerem als dem Künstlerpäarchen Bernd und Hilla Becher. Aus der legendären “Becher-Schule” in Düsseldorf sollten später neben Thomas Ruff eine Vielzahl an bedeutenden zeitgenössischen Fotografen wie beispielsweise Thomas Struth, Axel Hütte, Candida Höfer und nicht zuletzt Andreas Gursky hervorgehen.

Doch nicht nur Bernd und Hilla Becher, die damaligen so genannten Meister der zeitgenössischen Fotografie, übten einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Künstlerpersönlichkeit Thomas Ruff aus. Vielmehr scheint es, als habe Ruff sich ausschließlich an den großen Künstlerpersönlichkeiten der Fotokunst gemessen und abgearbeitet. Er selbst nennt Karl Blossfeldt, Walker Evans und William Eggleston als seine größten künstlerischen Vorbilder.

Deutsche Interieurs im Frühwerk Ruffs
Trotz dieser bedeutenden Vorbilder gelang es Thomas Ruff sehr schnell, seine eigene Bildsprache zu finden, auch wenn er lange die der “Becher- Schule” innewohnende Tendenz das Medium der Fotografie in einer radikal sachlichen Art zu behandeln weitestgehend beibehielt. So schien er sich beispielsweise bereits in seinen frühesten fotografischen Aufnahmen, Innenansichten und Interieurs in Farbe, von dem stets in Schwarz-Weiß gehaltenen Werken seiner Lehrer klar absetzen zu wollen, auch wenn er ihren inhaltlich nüchternen Stil in dieser Serie weiter verfolgte. Die Serie zeigte die allzu typischen deutschen Wohnräume jener Zeit und Details der Einrichtungsgegenstände aus den 50er, 60er und 70er Jahren.

Die Portraits der 80er Jahre
Seine in den 1980er Jahren entstandenen Portraitserien brachten Ruff internationale Bekanntheit ein. Der Grund hierfür war die heutzutage womöglich nicht mehr so einfach nachzuempfindende Provokation, die diese Fotografien in monumentaler Größe damals in sich bargen. Ruff brach mit diesen Portraitserien entgültig mit der bestehenden traditionellen Bildauffassung der modernen Fotografie, die ein Porträt erst dann als gelungen wahrnahm, wenn es eine Interpretation der Psychologie der entsprechenden Person auszudrücken vermochte.

Die Personen auf den Portaits Ruffs dagegen waren scheinbar beliebig ausgewählte Personen mit ausdruckslosen Gesichtszügen, deren inneres Wesen sich dem Betrachter trotz der Größe und Überdeutlichkeit ihrer Darstellung konsequent zu entziehen schien. Inzwischen ist dieses damals wegweisende Stilmittel längst in das Standartrepertoire der kommerziellen Werbefotografie aufgenommen worden.

Das Werk Ruffs im Zeitalter der digitalen Fotografie
Die letzten 30 Jahre seines künstlerischen Schaffens scheinen ganz im Zeichen der formalen und inhaltlichen Möglichkeiten der digitalen Fotografie zu stehen. In seinen neuesten Werken eignet sich Ruff sogar fremdes Bildmaterial aus dem Internet an, um es durch einen eigenen kreativen Schaffensprozess in den Bereich der bildenden Kunst zu überführen. In seiner neuesten Serie hat der Künstler beispielsweise digitale Aufnahmen einer offiziellen Seite der NASA entnommen und durch eine leichte Verzerrung und Handcolorierung in eigene seltsam schöne Bildwelten verwandelt.

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